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INGENIEURBÜRO EVA-MARIA CATTOEN

Mag. Mag. Ökologie & Zoologie und Mediatorin (i.Ausb.)

Leistung: Prozessbegleitung, Moderation, Beratung
Periode: 2020
Für: elmauer institute Tirol
Web: mehr infos
Thema: Besucherlenkung, Einbindung von Nutzergruppen

Erstellung eines Besucherlenkungskonzept für den Naturpark Tiroler Lech

PROJEKTBESCHREIBUNG

Die Auwälder sowie Sand- und Kiesbänke im Naturpark Tiroler Lech sind wie auch in anderen Flusslandschaften im Grenzraum von Nordtirol und Bayern einem hohen Freizeit- und Erholungsdruck ausgesetzt. Von April bis Oktober wird der Lech von zahlreichen Wildwassersportlern und Erholungssuchenden aus den angrenzenden Ballungsgebieten aufgesucht. Dabei werden mitunter die Gelege der Kiesbrüter zerstärt und die Ufervegetation beschädigt. Der Druck auf diese Biotope nimmt auch durch den Klimawandel und die dadurch ausgelösten extremen Hochwasserereignisse weiter zu.

 

Daher hatten sich die vier Projektpartner Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) e.V., Landratsamt Bad Tölz – Wolfratshausen, Naturpark Karwendel und Naturpark Tiroler Lech im Rahmen des Interreg-Projektes „Leben am Wildfluss“ (2018 – 2020) zusammengeschlossen, um durch ein koordiniertes, gemeinsames Handeln Konflikte beim Schutz der sensiblen Flussökosysteme und der Freizeitnutzung zu entschärfen.

 

Ein wesentlicher Teil des Interreg-Projekts war es ein neues Besucherlenkungskonzepts für den Naturpark Tiroler Lech erstellen zu lassen. Die elmauer institute Tirol unter der Leitung von Eva-Maria Cattoen wurden damit beauftragt, das Ökologische Büro Reutte war Kooperationspartner.

In Rahmen des Interreg-Projektes wurde ein neues Besucherlenkungskonzept für den Naturpark Tiroler Lech erstellt. Dabei wurden Maßnahmen der Besucherlenkung definiert, die auch in den anderen Projektgebieten Anwendung finden können. Durch das einheitliche Konzept und ein gemeinsames Auftreten sollen in den teilnehmenden Projektgebieten eine höhere Wirkung erreicht und Ausweicheffekte vermieden werden. 

Besucheraufkommen und Angebote in der Naturparkregion Lechtal-Reutte haben sich seit 2002 wesentlich verändert. Daher sind Anpassungen in der Besucherlenkung notwendig. Hauptziel des neuen Konzepts ist die Schonung sensibler Bereiche durch gezielte Maßnahmen, die auch die Weiterentwicklung des Gebiets berücksichtigen. Dabei wurden auch die im Interreg-Projekt „Leben am Wildfluss“ erarbeiteten Qualitätsstandards für Besucherlenkung berücksichtigt. Als Projektgebiet waren der Naturpark Tiroler Lech sowie das angrenzende FFH-Gebiet in Bayern definiert. 

Wir hatten einen kooperativen Arbeitsprozess vorgeschlagen, der NutzerInnen und für das Gebiet Verantwortliche so einbindet, dass die spätere Umsetzung der fachlich begründeten und gemeinsam abgestimmten Maßnahmen wirksam gefördert wird. Dazu wurde eng mit den Zielgruppen der Wildwassersportler und Erholungssuchenden zusammen gearbeitet. Zur Identifikation von Konflikten und zur Abstimmung von möglichen Lösungsansätzen wurden gezielte Interviews, Treffen und Workshops durchgeführt. Damit wurde bei allen Beteiligten ein besseres Verständnis für Probleme und mögliche Lösungen geschaffen und nachhaltig die Bereitschaft gefördert, die fachlich begründeten Maßnahmen auch umzusetzen. 

Wir gaben dem Auftraggeber und den Projektpartnern darüber hinaus auch detaillierte Empfehlungen, wie das Verhalten der NutzerInnen insbesondere in den sensiblen jedoch nicht gesperrten Bereichen positiv beeinflusst werden kann. 

Zur Erarbeitung des Besucherlenkungskonzepts brachten wir umfassende Vorerfahrung und Expertise ein. Das beinhaltete 

– ein klar strukturiertes, umsetzungsorientiertes Vorgehen,

– eine professionelle Moderation der Workshops,

– eine verlässliche Analyse der Interessen der Beteiligten, 

– ein ganzheitliches Verhaltensmodell, das hilft Lenkungsmaßnahmen im späteren Besucherlenkungskonzept zu prüfen und abzusichern,

– eine anwendergerechte und motivierende Sprache in allen Materialien, Diskussionen sowie im Besucherlenkungskonzept.

Mit Ende des Jahres 2020 wurde das Besucherlenkungskonzept fertig gesetllt. Es zeigt Ansätze auf, wie den Urlaubs- und Freizeitaktivitäten im Naturpark Raum gegeben werden kann, ohne naturschutzfachliche Ziele in Gefahr zu bringen. Aufbauend auf den Erhebungen der IST-Situation wurden die für den Naturpark Tiroler Lech wesentlichen Herausforderungen identifiziert. Mit allen Beteiligten wurden diese im Rahmen von Workshops diskutiert und zusammen daran gearbeitet, nachhaltige Strategien für die Meisterung dieser Herausforderungen und eine gelungene Besucherlenkung zu entwickeln.

Die entwickelten Maßnahmen sind auf einen Zeithorizont von fünf Jahren ausgelegt und in zwei Katalogen organisiert: dem übergeordneten und dem spezifischen Maßnahmenkatalog. Beide Maßnahmenkataloge dienen dem Naturpark Tiroler Lech und den Gebietsverantwortlichen als praktisches Arbeitsinstrument zur Umsetzung von gebietsspezifischen Maßnahmenbündeln für eine erfolgreiche Besucherlenkung in der Naturparkregion. Dabei gilt es auch weiterhin auf kooperative Prozesse zu setzen, Nutzer aktiv mit einzubinden und eine regelmäßige Erfolgskontrolle durchzuführen. 

 

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